Arco im November: Geburtstag mit Fels und Pizza

Für Andi müssen meine Geburtstage ein Kinderspiel sein. Er weiß, womit er mir die größte Freude bereitet: mit mir klettern gehen.

Die Überraschung war schon ein paar Tage zuvor perfekt. Andi sagte, er habe sich freigenommen an jenem Mittwoch, an dem sich der Tag, an dem ich auf diesen Planeten plumpste, 31 mal jährt. Ich hüpfte vor Freude. Und überlegte insgeheim, wieviele Seillängen wir denn in einen Tag packen könnten. Mehr als in die „Ende Nie“? Leider endeten Anfang November alle Longlines der Alpen längst unter einer Schneedecke. Weil wir am Wochenende auf der Alpinmesse in Innsbruck sein wollten, bot sich wieder einmal Arco an. Klettern, Pizza, Rotwein. Was braucht man mehr zum Glücklichsein? Ich nicht viel.

Abenteuer aus dem Bilderbuch

Mittwoch, kurz nach eins. Wir blicken nach fünf Autostunden und einer halben Zustiegsstunde in unsere Bilderbuchverschneidung am Pian dela Paia im Sarcatal. Praktisch, wenn man zuhause so profunde Routenratgeber wie den René der Alpinschule Bergpuls hat. Er kennt das Sarcatal fast so gut wie sein Ennstal, da brauchen wir in unserem Führer „Hohe Wände im Sarcatal“ nicht stundenlang die Fünf-Sterne-Touren vergleichen, um einen Volltreffer zu landen.

Aber vielleicht hätten wir dem Routendetail „R3“ mehr Beachtung schenken können. R heißt eher rustikal. Ein paar mobile Sicherungsgeräte wären angenehme Begleiter gewesen. Aber Andis Moral bröckelt zwischen den langen Runouts nicht. Nur meine Vorstiegsmotivation sinkt ohne Friends und Keile, als in der ersten Länge kein einziger Haken auftaucht und in der zweiten nur zwei… Egal, heute ist mein Geburtstag, da darf ich erst recht ein „Mädchen“ sein und nachsteigend genießen 😉

Trocken war nur der Wein

Nach dem sehr coolen Kletterabenteuer stürmten wir in die Pizzeria „Aurora“ in Arco, die uns schon nach der „Via Vertigine“ einen knusprigen Fladen aus dem Holzofen zauberte. Nur das Tiramisu war zu Saisonende verputzt. Die Schoko-Salami war eine etwas seltsame Alternative.

Weil der VW-Bus zurzeit lieber in der Werkstatt als auf unserem Parkplatz steht, musste der kleine Koreaner für den Kurtrip herhalten. Endlich ein Vorteil für kleine Menschen, denen die Griffe beim Klettern immer zu weit weg sind! Ausgestreckt im Kofferraum schlafen, tief und fest. Genickweh hatte am nächsten Morgen nur der Andi. Aber er konnte sich noch auskurieren.

Anstatt zum Plattenpanzer des „Lo Scudo“ ging’s in die Bar Zebrata zum Cappuccino. Regentropfen klopften auf das Autodach und hatten uns diesen Morgen geweckt. An unsere Routen war nicht zu denken – da war selbst der Wein am Vorabend trockener.

Weil Shoppen ja mindestens genauso zu Arco gehört wie das Klettern und der Cappuccione, zogen wir in die Stadt los, bis die Wände trockener wären.

Im T-Shirt im November

Shoppen war irgendwie doch nicht so lustig, und die Schlussverkaufspreise waren auch schon mal tiefer angesiedelt. Wir sind doch zum Klettern hier! Zumindest die Parete San Paolo erschien uns trocken genug. „Elios“, der griechische Gott der Sonne, würde uns schon einheizen. Vor allem beim fiesen Faustriss in der vierten Seillänge begannen die Finger und Füße zu brennen. Ansonsten war die Route abwechslungsreich, teilweise knackig und wie erhofft nicht sehr abgeschmiert. Und das Feinste: Außer uns keine Menschenseele. Arco zur Nebensaison gefällt uns irgendwie viel besser 😉

Nach dem Felsen umklammerten die Finger Apérol und Bier. Wir kennen keinen Platz, an dem man im November eingehüllt in Daunenjacken im Gastgarten sitzt. Hier scheint das ganz normal zu sein. Die kalten Finger ignoriert man genauso wie tagsüber die schmerzenden Zehen im Kletterschuh. Manchmal wundern wir uns selbst über den Lifestyle der Klettercommunity…

Cima alle Coste – geht doch!

Ein Tag blieb noch übrig, ehe wir unser Date mit Innsbruck hatten. Voll motiviert, vielleicht sogar noch zwei Routen zu klettern, blickten wir ernüchtert auf die Cima alle Coste und den Lo Scudo. Wir glaubten, da geht wieder nichts. Wasserstreifen sind noch immer Zeichen des Regens vor 24 Stunden. Erst wieder zu Cappuccino und Croissant in die Bar Zebrata. Aber wird schon trocknen – auf geht’s! Die Transeamus sollte es werden – und yeah! Fester Fels, gleichmäßige Schwierigkeiten, eine sehr gute Absicherung begleiteten uns über 300 Meter. Und es bestand keine Gefahr, im Plattenpanzer der Cima alle Coste zum Grillhendl zu werden. Wie heiß muss das hier erst im Sommer sein? Die Tour hat ihre fünf Sterne verdient. Und mit ihrer Bewertung war es ganz lustig: Die 6b’s gingen uns im Vergleich zu mancher V+ der Vortage viel leichter von der Hand. Arrivederci, Arco!

By | 2017-11-17T09:02:15+00:00 17. November 2017|Klettern|0 Comments

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