Projekt Beschreibung

Wilder Winter Kaiser

Eine kaiserliche, winterliche und zeitliche Gratwanderung: Vollendet haben wir den Kopftörlgrat zwar nicht, so haben wir aber (noch) einen guten Grund, um wiederzukommen.

Nun ja, nicht erst um halb sechs Uhr früh unten in Ellmau zu starten, das wäre eine erste hilfreiche Maßnahme gewesen für unsere Spontanidee, den Kopftörlgrat an diesem winterlichen Dezembertag zu begehen. Von zwei Verhauern war dann auch mindestens einer zu viel… den Grat oder den Abstieg zumindest vom Sommer zu kennen, wäre auch kein Fehler gewesen. Aber ja: Wir mögen das Unbekannte. Und freuten uns riesig auf diesen wilden Tag am Wilden Kaiser.

Zustiegsromantik: Es weihnachtet sehr.

Aus Angst, dass unser Bus (und unser einziges Zuhause) am Weg zur Wochenbrunner Alm hängen bleiben könnte, sind wir doch lieber vom Tal aus gestartet. Und wer weiß, vielleicht kann uns ja im Abstieg unser Gleitschirm gute Dienste erweisen 😉 So war es schon ein längerer Weg, bis endlich die Gruttenhütte in unser Blickfeld rückte. Über ihr thront rechterhand der Kopftörlgrat. Fast wie die Zacken einer Krone, die der Wilde Kaiser trägt.

Im Vorbeigehen machen wir eine kleine Hütten-Besichtigung. Auf dieser Terrasse, wenn einmal wieder Bretter liegen und Tische stehen und die Sommerabende lau sind, unseren Vortrag über die 4000er der Alpen herzeigen? Das wär‘ richtig cool! (Nicht, als ob wir momentan so etwas planen würden ;-))

Die gute, neue Gruttenhütte.

Weiter mit uns, wir haben uns noch einiges vorgenommen heute – den Kopftörlgrat, seines Zeichens im Sommer eine der beliebtesten, leichten Klettereien am Koasa. Und im Winter? Nun ja, ganz so viele Informationen haben wir darüber nicht gefunden. Und ehrlicherweise gar nicht gesucht: Schauen wir mal! Umdrehen können wir ja immer noch.

Über sieben Türme musst du gehen – so ungefähr.

Sie, kurz unterhalb des Kopftörls: Glaubst nicht auch, dass wir etwas spät dran sind?‘
Er, kurz den Kopf schüttelnd: Wieso denn?‘

Schnell ist sie überzeugt. Wir steigen – anfangs noch mit Stahlseilen gesichert (sofern sie nicht unter dem Schnee verschwunden sind) – hinauf ins Kopftörl. Ist schon lustig, diese Winterwühlerei und Kraxelei!

Am eigentlichen Grat ist der eigene Spürsinn gefragt. Wo es uns noch einfach und sicher erscheint, machen wir seilfrei schnell Meter.

Ups, da waren wir zu voreilig! Zu kurz sind wir unter den ersten Türmchen gequert – zu verlockend war ein Aufstieg. Sind nicht die ersten hier – an einer bereits vorhandenen Schlinge seilen wir uns zurück. Eigentlich ein netter Abstecher. Wäre heute nicht jede Viertelstunde im Tageslicht goldwert.
Wie nichts verfliegen daraufhin die viertel und ganzen Stunden über die winterlichen und kaiserlichen Zacken. Gefällt uns (meistens) richtig gut!

Kaiserlich & winterlich

Hinauf und wieder hinunter…
…und wieder hinauf, diesmal auf Türmchen Nummer vier.

Hinauf auf den Leuchsturm ist der Weg aber alles andere als einleuchtend – Andi landet im ersten Versuch in einer Sackgasse in einem Kamin. Er traut einer Rostgurke für ein Abseilmanöver – und balanciert schließlich auf den Frontzacken seiner Steigeisen über eine Platte und finden durch einen Tunnel einen Durchschlupf auf den vierten Turm unserer Gratwanderung.
14:15 Uhr – mittlerweile stellt auch Andi unser Zeitmanagement infrage. So kommt’s am Leuchsturm, dass wir Ellmauer Halt machen und uns sehr schnell für den Notabstieg entscheiden. Ein Abstieg, der netterweise in unserem Topo im Wilden-Kaiser-Führer aus dem Hause Panico mit einem Pfeil eingezeichnet ist. Ob wir den auch wirklich finden…? Wir erspähen rote Punkte und vertrauen darauf, dass wir das schnell und sicher hinbekommen.

Eine goldrichtige Entscheidung!

Ein Geschenk, dieses Abendlicht wieder auf sicherem Boden sehen zu dürfen.
Ratzfatz klettern und seilen wir uns mehrmals hinab. Mit dem schönsten Abendlicht kommen wir zurück auf das (sichere) Gamsband.

Noch vor der Dunkelheit kommen wir an der Gruttenhütte vorbei. Die letzten paar Kilometer bis zu unserem Bus im Tal sind zwar leider keine Flugsache mehr, aber zum Glück nur noch Formsache. Die Tage sind kurz Mitte Dezember. Und richtig gut.

Einen Augenblick bitte…