„Zwei Dinge sollen die Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.“

Johann Wolfgang von Goethe

Das Bauchkribbeln ist heftig. Oder macht da nur das kleine Alpinistenkind in uns so mächtige Luftsprünge? Hochspannung in den Minuten vor dem Take-off. Flügel ausbreiten, Leinen sortieren, eins werden mit dem Wind. Sich vergewissern und wissen: Wahhhh! Gleich geht’s ab in die Luft! Über die Klettertour hinweg, über die wir gerade noch hinauf geklettert sind. Halfpipe heißt die Route heute. Oh ja, heaven is a halfpipe!

Der Nebel wird sich lichten

Klettern Schobertal Hinterstoder Halfpipe Climb&Fly

Zurück zum Felsen: Wir klettern in einem versteckten Paradies an wilden Kalkwänden. Im Schobertal, diesem hinteren Winkel von Hinterstoder im Toten Gebirge, wo sich nur noch Gams und Jäger Gute Nacht sagen, findet sich nicht viel Leben, dafür einiges an neuem Eisen. Ein paar starke Jungs aus dem Tal haben hier ziemlich geniale Linien gefunden und sanft errichtet.

An einem Herbsttag steuern wir die „Halfpipe“ (VI) an – und weil der Abstieg immer sososooooo ein Hatscher ist, packen wir voll motiviert den Gleitschirm neben den Friends und Zwillingsseilen in den Rucksack – bzw. hängen wir ihn daran. Climb mit Fly – das schmeckt uns so gut wie die Orangenscheibe im Aperolspritzer und die Schaumkrone am Bier.

Poppenalm HinterstoderKlettern Schobertal Hinterstoder Halfpipe Climb&Fly

Schirm statt Stirnlampe

Die drei letzten Seilängen, die der Route aufgrund ihrer Wannenform den Namen verleihen, sind so rau, dass am Ausstieg die Pratzen schmerzen (oh ja, die Mädchenhände hatten schon viel zu lange keinen so rauen Fels mehr gepackt). Spätestens am Ausstieg lösen sich die Wehwechen in Luft auf. Es weht uns ein so feines Lüfterl entgegen, sodass wir gar nicht erst an die vierstündige Abstiegs-Abseil-Action denken müssen. Bauchkribbeln. Innerliche Lufthopser. Der Plan geht auf! Heaven is a halfpipe! Der OPM-Song wurmt eine Woche lang noch im Ohr…

Klettern Schobertal Hinterstoder Halfpipe Climb&Fly

Der Paukenschlag kommt 14 genüssliche Flugminuten später bei der Baumschlagerreith: Wir grinsen uns an, weil wir wissen: Wären wir zu Fuß abgestiegen, hätte uns die Dunkelheit eingeholt. So geht sich happypeppi sogar noch ein Nachmittagskaffee daheim am Balkon aus.