Lange haben wir schon davon geträumt: Einmal vom Mont Blanc fliegen. Ein Wunsch, den wohl viele Hike&Fly Piloten hegen. Aber das ist für alle, die nicht gerade in Chamonix wohnen, gar nicht so einfach. Normalerweise freut man sich ja schon, wenn man genügend Urlaub hat, in dem man sich ausreichend akklimatisieren kann und dann eine ernsthafte Chance hat, überhaupt den Gipfel auf 4810 m zu erreichen.

Als Flieger haben wir darüber hinaus ans Wetter noch sehr, sehr viel höhere Ansprüche. Während es uns als Bergsteiger meistens reicht, wenn’s nicht gerade zwei Tage schneit oder orkanartig stürmt, müssen für einen erfolgreichen Flug Windstärke, Windrichtung und Wolken passen. Das schränkt die Chancen für die meisten Hike & Fly Piloten nochmal mehr ein.

Bei solchen Bedingungen wär’s nix mit Fliegen. Am Gipfel vom Mont Blanc nach dem Brouillard-Grat

Ja, und dann gibt’s noch dieses Flugverbot im Juli und August. Bleiben also für Normalflieger nicht viele Tage übrig oder anders gesagt: Es braucht schon eine ordentliche Portion Glück, dass alles zusammenpasst.

Dementsprechend überglücklich waren wir, als wir am 1. September um 8:30 Uhr wieder Talboden unter den Füßen hatten. Nach einem Flug, der praktisch 30 Minuten pures Staunen war. Es war übrigens gar nicht so fix, dass es funktionieren wird. Sagen wir mal: höchstens 50:50. Das war so genial, dass es dafür natürlich eine eigene Bildgeschichte gibt (hier entlang).

In diesem Beitrag haben wir zusätzlich noch ein paar Infos zum Fliegen vom Mont Blanc zusammengestellt.

Lesenswert: Broschüre zum Fliegen rund um den Mont Blanc

Die Lektüre solltet ihr euch auf jeden Fall reinziehen, wenn ihr einen Flug vom Mont Blanc oder in Chamonix in Betracht zieht. Die Flug- und Tourismusvereine haben hier viele Informationen übersichtlich zusammengestellt. Diese findet ihr als PDF im Internet unter dem Namen „Vol libre au Pays du Mont-Blanc(https://www.chamonix.com/pdf/vol_libre_en.pdf)

Darin sind einige Start- und Landeplätze gut beschrieben und auch die…

Broschüre mit Infos zum Fliegen rund um den Mont Blanc

Flugverbote

Im Juli und August darf offiziell nicht vom Mont Blanc geflogen werden – und auch nicht auf den darunterliegenden Hängen, dazu zählen zB die Aiguille du Midi und ein sehr weitgezogener Bereich.

Übersicht Flugverbote Mont Blanc

Wir haben es nicht einschätzen können, wie strikt das tatsächlich gehandhabt wird. Was fest steht: Der Hubschrauber-Flugverkehr ist zur Hauptsaison extrem hoch, an Spitzentagen beziffern sich alleine die Rettungseinsätze auf 20 Flüge – und mehr. Die Strafen stehen angeblich bei 900 €, wenn man beim Fliegen bzw. Landen erwischt wird.

Auch wenn wir von vereinzelten Flügen im Juli oder August wissen, hatten wir bei den einheimischen Piloten schon den Eindruck, dass sie sehr drauf bedacht sind, dass diese Verbote eingehalten werden. Und die müssen’s ja wissen! Zu viele schwarze Schafe würden wohl ein noch größeres Verbot nach sich ziehen – ist es das wert? Fällt schließlich immer alles auf die Locals zurück. Also besser dran halten.

Schnupperflug am Brevent

Den können wir auf jeden Fall empfehlen, denn da hat man den Mont Blanc in voller Pracht vor sich (beim Flug vom Mont Blanc sieht man ihn ja nur im „Rückspiegel“). Außerdem lässt sich der Landeplatz gut auschecken.

Etwas oberhalb vom Zentrum Chamonix befindet sich die Talstation der Seilbahn. Entweder mit dieser oder über einen Wanderweg (ca. 1000 Hm) hinauf nach Planpraz, dem eigentlichen Startplatz. Bei Wind aus SO, S oder SW lässt es sich hier auf großen Wiesen gut abheben. Einzig die vielen Tandems können der eigenen Ruhe vielleicht etwas abträglich sein.

Start mit dem Gleitschirm am Brevent
Start unterm Gipfel vom Brevent – Achtung, man sieht schon die Seilbahnkabel

Alternativ die zweite Bahn zum Brevent hinauf nehmen oder die Skipiste entlang spazieren. Kurz unterhalb der Felsen lässt es sich von der Skipiste starten – die ist allerdings weniger Wiese, mehr Schotter und Steinchen. Entlang der Piste findet man ein paar Möglichkeiten, in die Luft zu kommen.

Unbedingt auf diverse Seilbahnkabel und Leitungen aufpassen!

Am Brevent (also Pranpraz) wird praktisch pausenlos Tandem geflogen. Sollten also mal keine Tandems in der Luft zu sehen sein, sollte man wohl besser auch nicht mehr fliegen (wobei der Umkehrschluss natürlich nicht als Fluggarantie gesehen werden sollte ).

Wir haben sowohl für unseren Flug vom Brevent als auch vom Mont Blanc den Landeplatz Bois du Bouchet gewählt – schon aus der höchsten Höhe gut ersichtlich neben dem Sportplatz und einem kleinen See. Vor dem Flug vom Brevent gingen wir noch in seiner Südwand klettern – also wir wollten: Dort war so viel los, dass wir uns frühzeitig abseilten und einen Abflug machten, weil das Wetter am Nachmittag instabil werden sollte…

Voraussetzungen zum Fliegen vom Mont Blanc

Da der Mont Blanc als höchster Berg sehr exponiert ist, sollte es eine wirklich flache Druckverteilung haben. Die perfekten Startbedingungen wären wohl 5 – 10 km/h Nordwind. Aber auch NO und NW lassen sich sicher gut starten.

Wir hatten 15 – 20 km/h W und das war schon etwas tricky, aber immer noch gut machbar.

Unsere Wetterbedingungen am 1. September 2019 (Quelle: www.zamg.ac.at)

Richtung Süden wird’s beim Start vom Gipfel halt gleich sehr steil. Vielleicht besser ein Stück in Richtung Mont Blanc de Courmayeur absteigen. Hier soll es sich nach West auch sehr gut starten lassen laut einem Tipp von einheimischen Piloten.

Blick zum Mont Blanc de Courmayeur
Blick vom Gipfel in Richtung SO zum Mont Blanc de Courmayeur

Bis zu welcher Windrichtung und -stärke man eventuell noch nach Norden Richtung Chamonix abbiegen kann, das muss wohl jeder selbst entscheiden. Unser Tipp: Nichts riskieren, lieber nach Italien gleiten. Was wir wissen: Im italienischen Val Veny gibt’s große Landweisen (aber wahrscheinlich mit viel Talwind, zumindest im Laufe des Tages).

Alternativ bietet sich auch der Dome du Gouter als etwas tiefer gelegener Startplatz an – hier können die Bewölkung und der Wind schon wieder ganz anders sein. Er wäre auch eine Option, wenn die Kraft nicht mehr für den finalen Bossesgrat reicht. Dieser eigenständige 4000er-Gipfel ist extrem flach, eigentlich nicht einmal als Gipfel erkennbar – zum Schirm auslegen perfekt und irgendwann wird er ja steiler. Man dürfte auch in mehrere Richtung (bis auf Süd) rauskommen – das haben wir allerdings nicht genauer ausgecheckt.

Noch kurz zur Rückkehr nach Frankreich bei einem Flug nach Italien: Das ist einfach machbar, es gibt gute öffentliche Verbindungen zurück nach Frankreich. Erst mit dem Tälerbus aus dem Val Veny bis Courmayeur (der fährt im Herbst nicht mehr ganz so häufig), dann umsteigen und mit dem Bus durch den Mont-Blanc-Tunnel nach Chamonix.

Achtung: Der Busfahrer nimmt einen nur mit, wenn man einen Ausweis (Reisepass, Personalausweis) bei sich hat! AV-Ausweis und E-Card reichen nicht aus. Es war nach einer Mont-Blanc-Überschreitung extrem viel Überzeugungsarbeit und ein Dackelblick nötig, dass Marlies nicht doch Auto stoppen oder ein Taxi nehmen musste 🙂

Aufstieg

Wirkliche Alternativen zum Normalweg über die Gouter Hütte sehen wir für Otto-Normalflieger eher nicht. Am ersten Tag mit Gondel und Bahn von Les Houches zum Nid d’Aigle. Von dort zur Gouterhütte. Am nächsten Tag startet man meist zwischen 3 und 4 Uhr früh. Das ergibt eine brauchbare Zeit für den Abflug vom Gipfel.

Alle anderen Aufstiegsrouten werden mit dem Gleitschirm am Rücken wohl schnell „schwer“ bis „extrem“ (durch zusätzliche Gletscher-/Fels-/Eisausrüstung). Im Winter mit den Skiern von der Grand Mulets wäre sicher noch denkbar. Aber es ist im Sommer schon kalt genug beim Fliegen.

Ein Tipp, was uns da hilft: Die Wärmepads von The Heat Company rechtzeitig aktivieren und dann in Handschuh und Bergschuh stecken (idealerweise bei einem Kurzstopp im Vallotbiwak).

Auch wenn der Aufstieg über die Gouter Hütte der einfachste Weg und meisten gut ausgetreten ist, sollten Seil und Gletscherausrüstung auf jeden Fall dabei sein.

Startplatz am Gipfel

Direkt am Gipfel ist normalerweise eine ausreichend große Fläche planiert, um einen kurzen, präzisen Start hinzulegen. Richtung W, N und O hat man sogar noch ein bisschen Platz, um ein paar Schritte zu laufen oder den Start abzubrechen. Hier eventuell Spur austreten und dabei auf Spalten achten.

In-flight Entertainment

Das ist großartig! Wenn vielen Bergsteiger im Rückblick immer kleiner werden und man entlang von Mont Maudit, Mont Blanc du Tacul und vorbei an der Aiguille du Midi fliegt, ist das schon ganz großes Kino. Und wo hat man beim Hike & Fly schon 3800 Meter Höhendifferenz zum Verfliegen.

Die Wolkenbasis dürfte bei uns so ca. auf 3500 m gewesen sein. Wir sind also lange über den Wolken geflogen, was die ganze Sache nochmal eindrucksvoller gemacht hat.

Was wir dabei hatten

Nachdem wir die 3800 Hm Aufstieg ein einem Stück erledigen wollten, haben wir auf die Rettungsschirme verzichtet. Seil, Gletscherausrüstung und einen Gaskocher haben wir dafür im Rucksack gehabt.

Im Detail:

  • 60 m Seil (Petzl Rad Line)
  • Gaskocher (Jetboil mit Kartusche) und Futter

Jeder seine Gletscherausrüstung:

  • Leichtgurt (Blue Ice Choucas)
  • Tibloc
  • Microtrax
  • Schlingen
  • Karabiner
  • eine Eisschraube für Spaltenbergung
  • eine gute Idee: auch ein Helm
  • Stirnlampe nicht vergessen

Wer sich als Flieger diesen Traum erfüllen mag, aber nicht das Know-how für die hohen Berge und Gletscher mitbringt: Drei Tage nach unserem Abflug gelang der Tiroler Flugschule cloudbase mit der Alpinschule Kopp (Bergführer Daniel Kopp) mit Gästen ein Flug und Tandemflug vom höchsten Punkt der Alpen – fragt nach, vielleicht haben sie es wieder im Angebot.